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Barfüße auf Sand und Kieselsteinen am Wasser
Auch Wörter laufen barfuß

Die Sprache des Barfüßigen

Barfuß oder barfuss? Das ist die Frage, die alle stellen. Sie hat eine klare Antwort. Aber unter dieser Frage steckt eine viel spannendere Geschichte: ein tausendjähriges Wort, eine Rechtschreibreform, Franziskanermönche ohne Schuhe und dieselbe germanische Wurzel, die auch im Englischen steckt.

Manche Wörter tragen mehr Geschichte in sich, als man denkt. “Barfuß” ist so eines.

Direkt auf den Punkt

Barfuß oder barfuss? Die klare Antwort

Kurz und knapp für alle, die es eilig haben:

In Deutschland und Österreich: barfuß (mit ß). Das ist die orthografisch korrekte Form nach der deutschen Rechtschreibung.

In der Schweiz und Liechtenstein: barfuss (mit ss). Im Schweizer Schriftdeutsch existiert das ß nicht. Dort ersetzt ss das ß immer, bei allen Wörtern.

Das ist keine Frage von richtig oder falsch, sondern von geografischem Standard. Ein Schweizer schreibt barfuss, ein Österreicher schreibt barfuß, beide meinen exakt dasselbe, und beide sind in ihrem Kontext korrekt.

Warum hat barfuß ein ß?

Das ß kommt nach langen Vokalen und Diphthongen (au, ei, eu, ie, oo). Das “u” in “barfuß” ist ein langer Vokal. Deshalb: ß, nicht ss. Die Rechtschreibreform von 1996 hat viele ß in ss umgewandelt (“daß” wurde zu “dass”), aber “barfuß” hat sein ß behalten, weil der vorhergehende Vokal lang bleibt.

Also: barfuß bleibt barfuß. Zumindest in Deutschland und Österreich.

Was steckt eigentlich im Wort?

Die Geschichte von 'bar' und 'Fuß'

“Barfuß” setzt sich zusammen aus bar + Fuß. “Fuß” ist klar. Aber was bedeutet “bar” hier?

Das ist nicht das “Bar” wie in Kneipe oder wie in Luftdruck. Das ist ein uraltes germanisches Wort: bar (altes Adjektiv, bedeutet: nackt, bloß, ungeschützt, enthüllt). Heute lebt es noch in Zusammensetzungen wie:

  • barfuß: bloßer Fuß (nackt, ohne Schutz)
  • barköpfig: ohne Kopfbedeckung
  • barhand: ohne Handschuhe (regional)
  • barhäuptig: mit bloßem Haupt (veraltetes Hochdeutsch)

Das “bar” in barfuß bedeutet also “bloß, unbedeckt, ohne schützende Hülle.” Es ist dieselbe Wurzel wie das englische Wort bare. Beide kommen vom Proto-Germanischen bazaz, das nackt, unbedeckt, entblößt bedeutete. Deutsche und Engländer benutzen seit tausend Jahren dasselbe Bild für barfuß, ohne es zu wissen. Einfach mal so, als hätten die Sprachen still miteinander gesprochen.

Mönche, die barfuß an einem Tempel entlanggehen
Als das Wort eine Entscheidung war

Die Barfüßer: Mönche, die das ernst nahmen

Es gibt Wörter, die man benutzt ohne nachzudenken. Und es gibt Wörter, die jemand ganz bewusst gewählt hat.

Im 13. und 14. Jahrhundert wurden die Franziskaner in bestimmten Sprachen als Barfüßer bekannt. Sie gingen barfuß oder mit einfachsten Sandalen. Das “Barfüßer” im Namen war kein Zufall: es war das zentrale Kennzeichen ihrer Lebensform. Einfachheit, Erdverbundenheit, keine Barriere zwischen Fuß und Boden. In Erfurt steht noch heute eine mittelalterliche Kirche, die schlicht “Barfüßerkirche” heißt. Gebaut von Mönchen, die das ernst nahmen.

Teresa von Ávila reformierte im 16. Jahrhundert den Karmeliterorden nach demselben Prinzip: die reformierten Karmeliterinnen wurden zu Unbeschuhten Karmelitinnen. Auf Spanisch: Carmelitas Descalzas. Das Wort “descalzo” ist übrigens die Schwester von “barfuß”: beide kommen davon, etwas vom Fuß zu nehmen. Beide wählten dasselbe Bild aus gutem Grund.

Mehr darüber, wie viele Kulturen barfuß als symbolische Handlung verstanden haben, gibt es im Artikel über Kulturen und Barfuß.

Die, die das Wort nie brauchten

Eine Anmerkung über Kobolde

Es gibt einen Gedanken, der sich nicht ganz in die Etymologie einfügt, aber immer wieder auftaucht.

Die Kobolde der deutschen Folklore, diese kleinen Waldwesen, die Haushalte bewohnten, mal halfen, mal Unsinn trieben, und von denen die Geschichten mit Vorliebe in Wäldern spielen, sind immer barfuß. In allen Darstellungen. In allen Geschichten. Man beschreibt sie nie mit Schuhen, weil Schuhe einfach nicht ihr Thema waren. Die Erde war ihr Thema.

Die brauchten das Wort nicht. Für einen Kobold wäre “barfuß” so seltsam zu sagen wie “im Wasser” für einen Fisch. Es war einfach das, was sie waren.

Die Magikitos tragen dasselbe wortlose Wissen. Barfuß ist für sie nicht etwas, was sie tun. Es ist etwas, was sie sind. Was vielleicht das Interessanteste ist, was das Wort sagen kann: Es beschreibt eine Rückkehr, keine Erfindung.

Und für alle, die wissen wollen, was passiert, wenn Barfüße auf Erde treffen: der Artikel über Earthing erklärt es ohne Esoterik-Quatsch.

Das Wort in der modernen Sprache

Barfuß in deutschen Komposita

Das Schöne am Deutschen: Wörter wachsen. “Barfuß” hat fleißig Komposita produziert:

Barfußpark / Barfußpfad

Deutschland hat weltweit die dichteste Dichte an Barfußparks: speziell angelegte Wege mit verschiedenen Bodenbelägen, auf denen man barfuß gehen kann. Hamburg, Berlin, Beelitz, viele andere Städte haben ihre eigenen. Das Konzept ist eine deutsche Erfindung. Der Artikel über Barfuß-Parks listet die besten.

Barfußschuhe

Das Wort, das eigentlich ein Widerspruch ist: Schuhe, die sich so anfühlen wie barfuß. Dünne Sohle, breite Zehenbox, kein Absatz. Im Deutschen sagt man “Barfußschuhe” für diese Kategorie, die im Englischen “barefoot shoes” oder “minimalist shoes” heißt.

Barfüßig

Das Adjektiv “barfüßig” (mit dem Bindungs-ig) ist eine etwas förmlichere oder literarischere Form. “Barfüßige Kinder auf der Wiese” klingt etwas poetischer als “barfüßige Kinder.” Beide sind korrekt.

Barfußlaufen

Das zusammengesetzte Nomen für die Praxis: “Barfußlaufen als Gesundheitstrend” oder einfach “Ich gehe Barfußlaufen.” Als Verb: “barfuß laufen” (zwei Wörter). Das zusammengesetzte Nomen “das Barfußlaufen” schreibt sich in einem Wort.
Fragen zur Sprache

FAQ zum Wort barfuß

Beides ist richtig, je nach Land. In Deutschland und Österreich gilt barfuß (mit ß). In der Schweiz und Liechtenstein gilt barfuss (mit ss), weil das ß im Schweizer Schriftdeutsch nicht existiert. Die Rechtschreibreform von 1996 hat das ß nach langen Vokalen teilweise abgeschafft, aber “barfuß” hat sein ß behalten, weil das “u” ein langer Vokal ist.
Aus dem Althochdeutschen “barfuoz,” zusammengesetzt aus “bar” (bloß, nackt, unbedeckt) und “Fuoz” (Fuß). Das “bar” ist kein modernes deutsches Wort mehr, lebt aber in Komposita weiter. Es ist dieselbe Wurzel wie das englische Wort “bare.” Beide kommen vom Proto-Germanischen “bazaz” (bloß, unbedeckt), was bedeutet, dass Deutsch und Englisch das Bild seit über tausend Jahren teilen.
Barfüßig ist die richtige Form. “Barfüßlich” gibt es nicht. Das Adjektiv lautet “barfüßig” (mit -ig, wie üblich). “Ein barfüßiges Kind,” “barfüßig durch den Park gehen.”
Barfüßer war ein volkstümlicher Name für die Franziskaner, die im Mittelalter barfuß oder in einfachsten Sandalen lebten. Das war Teil ihrer Ordensregel: Armut, Einfachheit, kein Überfluss. In Deutschland gibt es noch heute Barfüßerkirchen (z.B. in Erfurt, Augsburg, Basel), die von diesen Mönchen gebaut wurden.
Ja. Das englische “barefoot” kommt aus exakt derselben Proto-Germanischen Wurzel. Beide Sprachen haben “bar/bare” (bloß) + “foot/Fuß” zusammengesetzt. Spanisch sagt “descalzo” (ohne Schuhwerk), Französisch “pieds nus” (nackte Füße), Italienisch “scalzo” (vom Lateinischen ex-calcei = ohne Schuhe). Jede Sprache hat ihren eigenen Weg zum selben Konzept gefunden.
Das Wort und die Sache

Weiter auf barfüßigem Terrain

Wörter sind komprimierte Geschichte. “Barfuß” trägt darin tausend Jahre Germanisch, ein uraltes Adjektiv, das Barfüßer-Kloster in Erfurt, und das Gefühl von Gras unter den Füßen, das sich seit der Erfindung des Wortes kein bisschen verändert hat.

Beim nächsten Mal, wenn du barfuß den Boden spürst, machst du etwas so Altes, dass es einen Namen gebraucht hat. Jetzt weißt du, woher der Name kommt.

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FEETBETTER

Vereint durch den Boden unter unseren Füßen. Feetbetter ist die größte gemeinnützige Bewegung für das Barfußleben. Wir sind da, um dich daran zu erinnern, dass jeder Schritt auf Sand, Gras oder Felsen eine Rückkehr zu deinem wahren Selbst ist. Kein Shop, keine Tricks, nur der Wunsch, gemeinsam in ein freieres Leben zu gehen.

@feet.better